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Darwin und die Krise – survival of the fittest.

Wir stecken in der Krise, die Krise trifft uns mit voller Wucht, wir werden der Krise nicht entkommen, so oder so ähnlich klingen viele Schlagzeilen der letzten Monate und Wochen. Ein anderer Blick auf die Krise ist nicht zulässig? Wo sind die Chancen, die eine Krise bietet, wo sind die Visionen?

Vor einiger Zeit war in der Süddeutschen Zeitung eine Karikatur, die Charles Darwin vor einem einstürzenden “General Motors” Haus und einem noch stehenden “Ford” Haus zeigt und er kommentiert die Situation sinngemäß, dass er seiner Zeit immer Voraus war. Survival of the Fittest ist das wohl prägendste Schlagwort mit dem Charles Darwins Forschungen über Vererbung und Evolution beschrieben werden. Steckt dahinter nicht auch eine positive Entwicklung, die gerade in Krisenzeiten als Ansporn, als Aufbruchsmotto genutzt werden sollte? Die Karikatur hat in mir die Frage ausgelöst, warum in der öffentlichen Meinung und den meisten Medien immer die negative Seite der Wirtschaftskrise oder zuvor der Krise an den Finanzmärkten so hervorgehoben wird? Warum ist alles nur schrecklich, warum nur schlimm, wo sind die positiven Geschichten, wo sind die Visionen, wo die Leader?

Es ist sicherlich schweirig eine Firma, die mehrere Tausende Menschen beschäftigt und deren Familien ernährt, in die Insolvenz gehen zu lassen, aber rechtfertigt dies, das millionenfache Verbrennen von Steuergeldern und finanziellen Reserven? Eine sehr bemerkenswerte Nachricht, die vor kurzem auf silicon.de zu lesen war, zeigt auch die positiven Aspekte der Krise und unterstreicht ihre reinigende Wirkung. “Solarunternehmen profitieren von Quimondapleite” (Link zum Artikel). In Dresden ansässige Unternehmen profitieren dahingehend von der Pleite des Speicherhersteller Quimondas, dass freie HalbleitertechnikerInnen auf den Arbeitsmarkt kommen, deren Wissen für die Entwicklung von Solarzellen etc. wichtig ist. Diese Nachricht ist nur eine von vielen und sie zeigt, die positiven Möglichkeiten, die in einer solchen Krise stecken. Diese Chancen können aber nur genutzt werden, wenn nicht die alten Pfründe und Industrien künstlich mit viel staatlichem Geld am Leben gehalten werden und der Lebensraum für neue Unternehmen, Innovationen und neue Ideen durch diese Platzhirsche abgetötet wird. Mit welcher Berechtigung wird beispielsweise der Autoindustrie Geld zur Verfügung gestellt, obwohl sie sich seit mehreren Jahrzehnten ökologischen Erneuerungen im Bereich des Verbrauchs von Treibstoff verweigert. Ich glaube aber, dass die Fehler nicht unbedingt nur den verschiedenen Managementteams einzelner Unternehmen und Organisationen anzulasten sind. Denn es ist mehr als verständlich,d ass die Autos gebaut und entwickelt werden, die von den Käufern nachgefragt werden. Das bedeutet aber in letzter etwas übertriebener Konsequenz, dass die durchschnittlichen Menschen keine Interesse an nachhaltiger Entwicklung ihres eigenen Planeten haben und nicht in der Lage sind über den eigenen Tellerrand zu blicken. Desweiteren zeigt es auch, dass die wenigsten Politikerinnen und Politiker die Visionen und die Leadershipfähigkeiten besitzen, die Menschen von Visionen und einem nachhaltigen Umgang mit unseren Ressourcen und ihrer Verwendung zu überzeugen. Wo sind sie die Staatsfrauen und -männer, die mit Konzepten und Ideen vorangehen und versuchen, die Welt zu verändern, trotzdem aber die Menschen bei der Hand nehmen und ihnen erklären, was sie nun tun bzw. welche Chancen und Risiken existieren. Gleichzeitig müssen die Menschen ihre gewählten Vertreter kontinuierlich hinterfragen und durch Feedback und Austausch zu neuen Ideen anregen. Veränderung ist ein Prozess, der von vielen Seiten gesteuert und vorangetrieben werden muss. Sich alleine auf die PolitikerInnen zu verlassen ist ebenso Blödsinn, wie grundsätzlich jeden ManagerIn zu verteufeln.

An diesem Punkt setzt für mich die reinigende Wirkung der Krise an:

  • es werden diejenigen überbleiben, die in der Lage sind sich den neuen Gegebenheiten anzupassen und die in der Lage sind, mit neuen Ideen und Innovationen, die Zukunft zu gestalten.
  • Nichtragfähige bzw. Fehlentwicklungen, sowie nicht umsetzbare Ideen werden aussortiert.
  • Gefordert sind die flexiblen und mobilen Unternehmerinnen und Unternehmer, die den Mut zum Risiko und die Fähigkeit zur Anpassung haben. Diese Menschen müssen gefördert werden
  • Große Unternehmungen, die viele MitarbeiterInnen beschäftigen sollten unterstützt werden, wenn zum einen eine offene Fehleranalyse der Vergangenheit betrieben wird und diese sich entsprechend neu Ausrichten
  • Jede staatliche Unterstützung muss an einen erkennbaren Mehrwert für die Gesellschaft geknüpft werden
  • PolitikerInnen müssen sich auch unangenehmen Wahrheiten stellen und beispielsweise auch die Insolvenzen großer Arbeitgeber in Kauf nehmen, damit diese einen Neuanfang wagen können.

Die grundsätzliche strategische Ausrichtung staatlicher Politik sollte sich darauf fokussieren, wie zukünftige Generationen fit gemacht werden können für diese Herausforderungen, denn eine Wirtschaftskrise in einer globalisierten Welt, von der jeder einzelne profitiert, wird immer wiederkommen. Fitter werden diese Menschen nur durch Informationen und Wissen, also in erster Linie mal durch Bildung. Wer also 700 Milliarden in die Rettung von Unternehmen stecken kann, der sollte auch in der Lage sein, 20 Milliarden in das Bildungssystem zu stecken, damit die eigene Bevölkerung in der Lage ist, die Krise zu überleben und sie als Chance zu begreifen. Diese Vision sollte der Impetus nationalen Krisenmanagement sein.

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  1. Helmar
    April 7, 2009 at 10:16 am

    Guter Artikel, der mir in den meisten Punkten aus dem Herzen spricht!
    Problematisch sehe ich, dass das Konzept von “Survival of the fittest” in letzter Konsequenz dem Ausbau sozialer Sicherungssysteme eines Staates entgegenstehen kann, bzw. sich mit diesem Hintergedanken Ungleichheit begründen lässt. Ganz nach dem Credo: “Ich kann ja nichts dafür, dass ich ein besserer Schmied meines Glückes bin als Du.”
    Manche bekommen das Werkstück als Eisenklotz, manche schon fast fertig… die unterschiedliche Ausgangslage muss bei diesem Konzept immer berücksichtigt werden. Ellenbogen ausfahren in der Krise bringt uns auch nicht zur Lösung – aber das hast Du ja nicht explizit gesagt –

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